


Um 8 Uhr ging es für Ulrich Zippel am Reformationstag los. Von Thränitz aus startete er, um sich ab Pforten der Reformations-Wandergruppe der beiden Wegewarte Martina und Matthias Krügel anzuschließen. Er gehe oft mit seiner Frau allein wandern. Doch bei den inzwischen zwölf Wandertouren des Stadtwaldbrücken-Vereins war er fast immer mit dabei. „Es ist zu einem Ritual geworden“, erzählt er. Grund sei, dass er Bekannte treffe, die er sonst nur selten sieht. Dazu komme, dass die Wanderungen Menschen zusammenbringe und das Christentum für ihn Veränderung feiere. „Und das ist das, was uns vorwärts bringt“, sagt der 62-Jährige. Dieses Jahr sei für ihn besonders, da er in seine „Kindheitskirche“, die Martini-Kirche in Zwötzen, zurückkehrte.
Dort hielt Roland Geipel, Oberpfarrer im Ruhestand, Ehrenbürger und Bundesverdienstkreuzträger, eine kurze Andacht, um dann mit den rund 40 Interessierten mitzuwandern. Mit dabei auch Martin Luther und seine Frau Katharina – verkörpert von Gerd Hoffmann aus Rudolstadt und Elvira Pöppisch aus Schleifreisen. Beide übernahmen erstmals die Rollen der beiden großen historischen Personen. Tourleiter Matthias Krügel zeigte sich sofort äußerst angetan von den Lutherschen Episoden und Anekdoten, über die beide während der Wanderung berichteten.
Wandern für ein Mammutprojekt
Traditionell trafen die Wandergruppen – Umweltamtsleiter Konrad Nickschick und die evangelische Pfarrerin Barbara Lötzsch übernahmen die beiden anderen Touren von Lusan und der Johanniskirche – gegen Mittag schließlich am Lutherkreuz nahe Schloss Osterstein ein. Dort erwarteten die hungrigen Wanderfreunde ausreichend Kuchen, 350 Roster und 90 Kilo Wildgulasch, der von zwei bei der Otegau ausgenommenen Wildschweinen stammte.
Gleich neben dem Lutherkreuz hatte der Stadtwaldbrücken-Verein vor nunmehr 15 Jahren bereits die dortige Waldhausbrücke vollständig restauriert. Ein ähnliches Mammutprojekt hat sich der Verein wieder vorgenommen. Die nach dem Weltkrieg in der Not verfeuerte hölzerne Marienbrücke nahe des Fuchsturms soll wieder aufgebaut werden. Dafür wurde wieder an dem Tag gesammelt. Vereinsvorsitzender Heinrich-Dieter Hischer hatte mit seinen Mitstreitern immer wieder bange nach den Wetterprognosen geschaut. Doch am Ende hielt sich der Regen weitgehend zurück, sodass zwar ein paar weniger Besucher als im Vorjahr kamen. „Aber auch wegen des angekündigten Wetters sind wir sehr zufrieden“, bilanzierte er und freute sich über Hunderte Gäste und die Wertschätzung für die geplante Brücke, den Stadtwald und die Reformation. Dass der Stadt der Neubau der Brücke wichtig ist, zeigte sich daran, dass fast die gesamte Spitze der Stadtverwaltung sowie mehrere Stadträte und Ortsteilbürgermeister vor Ort waren. Selbst die aus Gera stammende Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser schaute vorbei.
Höhepunkt war ein Konzert des Posaunenchors der Stadtkirchgemeinde sowie ein ökumenischer Gottesdienst der evangelischen, der katholischen Kirche, der freien evangelischen Gemeinde und der ukrainisch-orthodoxen Kirche. Danach hieß es auch für Ulrich Zippel, wieder loszumarschieren. Er hatte noch einiges an Weg vor sich, damit er dann nach rund 16 Kilometern schließlich zurück nach Thränitz gewandert war.