Studentenprojekt FH Erfurt zum Stadtwald Gera / Teil 1 Allgemein

Modul „Vertiefungsübergreifendes Projekt – Stadtwald Gera“
Masterstudium Landschaftsarchitektur, 3. Semester
Aufgabenstellung und Ablauf
Anlass zur Aufgabenstellung
Der demografische Wandel prägt die gesellschaftlichen Veränderungen in den neuen Bundesländern, insbesondere der Norden und Osten des Freistaates Thüringen sind davon betroffen. Mit der Projekt- bearbeitung sollen im Rahmen der Ettersburger Entwurfsseminare und in Zusammenarbeit mit dem Hessisch-Thüringischen Bauindustrieverband und der Stadt Gera Lösungsansätze für einen konkreten lokalen Raum – dem Stadtwald Gera im Osten der Stadt – gefunden werden. Dabei gilt es gleichzeitig, Ansätze für eine klimawandelgerechte Stadtentwicklung von Gera und der Tourismusförderung her- auszuarbeiten, eine Attraktivitätssteigerung für die Stadt zu bewirken und somit der Stadt Gera günstige Zukunftschancen zu offerieren.
Zur Stadt Gera
Die kreisfreie Stadt Gera liegt im Osten des Freistaates Thüringen (drittgrößte Stadt nach Erfurt und Jena, flächenmäßig zweitgrößte). Die Mittelstadt Gera liegt an der Weißen Elster und ist im Landes- entwicklungsplan als Oberzentrum ausgewiesen. Sie grenzt im Norden an Sachsen-Anhalt, im Nord- westen an den Saale-Holzlandkreis und wird überwiegend vom Landkreis Greiz umschlossen. Das Territorium der Stadt weist Höhen zwischen 185 m ü. NN (Elstertal unterhalb von Langenberg) und 355 m ü. NN (Hochfläche südlich von Großfalka) auf. Das Stadtzentrum mit dem Bearbeitungsgebiet Stadtwald Gera gehört nach der naturräumlichen Gliederung zu den Buntsandstein-Hügelländern, speziell der Saale-Sandsteinplatte. Die Nutzungsarten in der Stadt Gera beliefen sich 2010 auf 22,5 % für Siedlung und Verkehr, 57,8 % für Landwirtschaft (vorwiegend in den 1994 eingemeindeten nördlichen und nordöstlichen Orten), 0,8 % für Wasser, 1,3 % für sonstige Nutzungsarten (überwie- gend vom Bergbau beanspruchte Flächen) und 17,5 % für Wald (mit einer der waldreichsten Städte Thüringens, wozu der Stadtwald auf dem östlichen Elstertalhang maßgeblich beiträgt). (www.tlug-jena.de/uw_raum/umweltregional/g/index.html)
Die Stadt entstand „in ihren heutigen Grenzen mit der Verwaltungsreform des Freistaates Thüringen am 01.07.1994 aus dem Stadtkreis Gera und den Gemeinden Aga, Cretzschwitz, Falka, Hermsdorf, Roben, Söllmnitz […], Röpsen, Thränitz, Trebnitz und Weißig sowie dem Ortsteil Naulitz der Stadt Ronneburg […].“(www.tlug-jena.de/uw_raum/umweltregional/g/index.html)
„Die Stadt gehört zu den wenigen Städten, deren Territorium seit der Altsteinzeit mit mehr oder weniger großen Unterbrechungen bis heute immer wieder aufgesucht bzw. besiedelt wurde.“ (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (2006): Stadt Gera, Archäologischer Wanderführer Thüringen, Guten- berg-Druckerei Weimar. S. 6/7) Erstmals wurde die Stadt 995 als „terminus Gera“ urkundlich erwähnt, 999 er- folgte die Übereignung des Gera-Gaues an das Stift Quedlinburg, war um 1200 ein Dorf und Wirt- schaftshof des Stiftes. „Vor 1237 planmäßige Anlage der Stadt durch die Vögte von Weida in der Nähe des Quedlinburger Wirtschaftshofes und des sorbischen Dorfes Zschochern am Fuße der Ronneburger Höhe, rechtwinkliges Straßennetz in Gitterform, im Zentrum fast quadratischer Marktplatz, im Südosten Burg der Vögte von Weida (abgerissen). 1237 und 1292 urkundlich civitas genannt. Im 13. und 14. Jh. (bis 1329) allmählicher Übergang der Landesherrschaft an die Vögte von Weida. 1450 von den Sachsen und Böhmen erobert und niedergebrannt, 1487 Erneuerung des Stadtrechtes.“ (Piltz, Georg (1974): Kunstführer der DDR, Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin. S. 382) Der Ort „gehörte seit 1306 Zur Herrschaft Greiz, dem Kernland der späteren Fürstentümer Reuß. 1562 teilten die Reußen ihr Herrschaftsgebiet in die Linien Obergreiz (mittlere Linie), Untergreiz (ältere Linie) und Gera (jüngere Linie Reuß). Die Herren Reuß jüngere Linie ließen seit 1563 das Geraer Schloss Osterstein zum Reisdenzschloss ausbauen. 1616 starb die mittlere Linie aus, ihr Gebiet wurde auf die ältere Linie (Greiz und Burgk) und die jüngere Linie (Gera, Schleiß und Bad Lobenstein, ab 1824 Ebersdorf) aufgeteilt. Mit der Abdankung des Fürsten von Schleiz entstand 1848 das Fürstentum Reuß jüngere Linie mit Sitz in Gera. Im November 1918 wurden beide reußischen Fürstentümer aufgelöst und die Freistaaten Reuß älterer und jüngerer Linie gebildet, die sich am 17.04.1919 zum Volksstaat Reuß mit der Landeshauptstadt Gera vereinigten, der bis zum 01.05.1920 (Zusammenschluss aller thüringi- schen Kleinstaaten zum Land Thüringen) bestand. […] Von 1922 an gab es im Land Thüringen einen Landkreis und einen Stadtkreis Gera. Von 1952 bis 1990 war Gera Bezirksstadt in der DDR und Stadtkreis.“ (www.tlug-jena.de/uw_raum/umweltregional/g/index.html)

Modul „Vertiefungsübergreifendes Projekt – Stadtwald Gera“
Masterstudium Landschaftsarchitektur, 3. Semester
Aufgabenstellung und Ablauf 2
Wie die auch heute noch hohen Nutzungsartenanteile verdeutlichen, wurde die Entwicklung der Stadt über Jahrzehnte, ja über Jahrhunderte von Land- und Forstwirtschaft geprägt. Erst mit dem Einsetzen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wandelte sich das Bild entscheidend. Gera gewann an Einwohnern, wurde zum bedeutenden Wirtschaftstandort, insbesondere der Stoff- und Tuchindustrie und eine der reichsten Städte Deutschlands. „Über 100 zum Teil sehr bedeutende Stadtvillen […] zeugen heute vom Glanz und Reichtum vergangener Zeiten.“ (de.wikipedia.org/wiki/Gera) Neben der hoch- wertigen Baukultur etablierte sich auch eine nennenswerte Künstlerszene, allen voran sei Otto Dix aufgeführt.
Durch anglo-amerikanische Luftangriffe wurden 1945 große Teile der Stadt zerstört, der Wiederaufbau erfolgte ab 1952, verstärkt nach 1967 (vorherrschend in Bieblach, Langenberg und Lusan). Gera ver- fügt heute über eine Berufakademie, eine private medizinische Hochschule und war Veranstaltungsort der viel beachteten Bundesgartenschau 2007.
War Gera in der Vergangenheit eine prosperierende Stadt, so veränderte sich dies in den letzten Jahr- zehnten. Zunehmend sind Einwohnerverluste zu verzeichnen (2000: 114.035 EW, 2012: 98.520 EW, nach www.tls.thueringen.de/datenbank/portrait.asp?auswahl=krf&nr=52&vonbis=&TabelleID=kr000109) Mit über 15.000 Perso- nen Bevölkerungsverlust in einem Jahrzehnt steht Gera als Stadt im Ostthüringer Raum nicht allein dar. Leerstände in zahlreichen Gebäuden sind als Folge zu verzeichnen. Auch eine zunehmende Alterung der Bevölkerung ist ablesbar. Eine leichte Zunahme der unter 6- bis unter 15-Jährigen ist in den letzten Jahren zu verzeichnen, die 15- bis unter unter 25-Jährigen nehmen leicht ab, 25- bis unter 30-Jährigen steigen leicht an, die 30- bis unter 50-Jährigen nehmen ab und die Altersgruppen ab 50 Jahre nehmen zu (vgl. www.tls.thueringen.de/datenbank/portrait.asp?auswahl=krf&nr=52&vonbis=&TabelleID=kr000113). Die Rückgänge der erwerbstätigen Altersgruppen sind auf die rückläufige Wirtschaftskraft Geras (vorwie- gend klein- und mittelständische Unternehmen mit vorherrschend bis 249 sozialversicherungspflich- tigen Beschäftigten, vgl. www.tls.thueringen.de/datenbank/portrait.asp?auswahl=krf&nr=52&vonbis=&TabelleID=kr000454) zu- rückzuführen. In den letzten zwei Jahren ist ein leichter Wanderungsgewinn zu registrieren. Um diesen Stabiler zu etablieren, gilt es, die Attraktivität der Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu erhöhen. In diesem Kontext ist das naturräumliche sowie kultur- und kunstgeschichtliche Potential der Stadt stärker für die Bewohner und Besucher erlebbar zu machen.

 

Autor:

Prof. Dr. Gerlinde Krause, Erfurt, Oktober 2013

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